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Wie werden sich Anbauvereinigungen finanzieren können?

Seit langem liegt der Durchschnittspreis für ein Gramm Cannabis🌿beim berühmten „Zehner“, doch damit soll bald Schluss sein. Wie viel soll Cannabis in Zukunft kosten💰, wenn die Anbauvereinigungen ihre Tore öffnen und mit der gemeinschaftlichen Produktion und Abgabe von zum Konsum bestimmten Cannabis beginnen? Wie finanzieren sich Anbauvereinigungen ganz allgemein?


Zunächst sollte man wissen, dass ich und die meisten der anderen Vertreter von Anbauvereinigungen, mit denen ich gesprochen habe, fest davon ausgegangen sind, Cannabis könne durch die Anbauvereinigungen zum Selbstkostenpreis verkauft werden🌿🔁💰. Wie beim Dealer hätten dann die Blüten und das Geld den Besitzer gewechselt – nur eben legal, mit Steuern, Buchführung und Beipackzettel beim Cannabis. Die ganze Legalisierungscommunity, so schien es mir, hatte sich daraufhin auf Preise um die sieben Euro pro Gramm eingestellt. Doch so soll es nicht kommen.

Der Gesetzgeber hat im finalen Gesetzestext Anbauvereinigungen zwar nicht wörtlich untersagt Cannabis zu verkaufen, genau genommen spricht das Cannabisgesetz (CanG)[1] hier von einer nicht näher definierten Weitergabe. Das Gesetz beschäftigt sich allerdings sehr wohl mit der Finanzierungsfrage von Anbauvereinigungen, genau heißt es hier in Kapitel 4 Abschnitt 5 des Cannabisgesetzes, die Anbauvereinigungen legen die Mitgliedsbeiträge zur Erfüllung ihrer ausschließlichen Aufgaben fest. Daraus resultierend finanzieren sich die Anbauvereinigungen regulär über die Mitgliedsbeiträge, doch wie so oft gibt es auch hier eine Ausnahme. Denn Cannabis Clubs ist es gestattet Vermehrungsmaterial🌱 aus eigener Herstellung an volljährige Mitglieder und Nichtmitglieder sowie an andere Anbauvereinigungen abzugeben. Dabei muss die abgebende Vereinigung die Herstellungskosten des Vermehrungsmaterials verlangen. Das Geschäft mit dem Vermehrungsmaterial aus eigener Herstellung könnte also ein kleines, selbstkostendeckendes Nebengeschäft für die Anbauvereinigungen werden und darüber hinaus auch der Mitgliedswerbung bzw. der Sichtbarkeit dienen. Weiterhin kann der Club sich wirtschaftlich betätigen indem er beispielsweise erlaubte Produkte wie Merchandise oder Zubehör für Cannabis verkauft.


Wer bis hierhin gelesen hat, stellt sich jetzt sicherlich die Frage, wie die Cannabis-Clubs faire Preise🤝💰 für alle Mitglieder ansetzen können, schließlich unterscheidet sich ja die Inanspruchnahme der Cannabisabgabe von Mitglied zu Mitglied. Manche Mitglieder könnten nur wenige Gramm pro Monat beziehen, während andere die Abgabemenge voll auskosten möchten. Konkret ist im Gesetz keine Möglichkeit hinterlegt, hier unterschiedliche, verbrauchsbezogene Mitgliedsbeiträge zu erheben. Allerdings liefert uns das zuständige Bundesgesundheitsministerium eine hilfreiche Antwort. Im FAQ zum Cannabisgesetz[2] wird sowohl die Frage beantwortet, ob Anbauvereinigungen Cannabis verkaufen oder verschenken dürfen - wie bereits erwähnt lautet die Antwort nein❌️ – aber auch auf die Finanzierungsfrage hat das Ministerium von Karl Lauterbach eine Antwort. So heißt es in Frage 40 „Anbauvereinigungen können die Möglichkeit prüfen, in ihrer Satzung die laufenden Beiträge ihrer Mitglieder als Grundbeiträge mit zusätzlichen Pauschalen, gestaffelt im Verhältnis zu den an die Mitglieder weitergegeben Mengen Cannabis und Vermehrungsmaterial, festzulegen.“[3] Letztlich ist es also den Clubs überlassen, die Finanzierungsfrage individuell zu lösen. Die Möglichkeit zusätzlich zum Grundbeitrag einen gestaffelten Pauschalbeitrag zu erheben vereinfacht es den Anbauvereinigungen ein unfaires Verhältnis von individueller Inanspruchnahme der Dienstleistungen und Preisen zu verhindern. Ob und wie die Clubs diese Möglichkeit wahrnehmen werden, obliegt den jeweiligen Vorständen.


Beispielhaft könnte das so aussehen (die Zahlen dienen lediglich der Veranschaulichung):


Monatlicher Grundbeitrag: 25 €

+

Pauschalbeitrag 10g: 70 € (entspricht 7 €/g)

oder

Pauschalbeitrag 20g: 130 € (entspricht 6,5 €/g)

oder

Pauschalbeitrag 30g: 180 € (entspricht 6 €/g)

oder

Pauschalbeitrag 50g: 250 € (entspricht 5 €/g)


1) Mitglied A möchte monatlich 5 Gramm beziehen. Für Mitglied A würde eine Mitgliedschaft 95 € pro Monat kosten (Monatlicher Grundbeitrag + Pauschalbeitrag 10g = 95 €). Mitglied A kann dabei monatlich bis zu 10 Gramm beim Club beziehen.✅

2) Mitglied B möchte monatlich 25 Gramm beziehen. Für Mitglied B würde eine Mitgliedschaft pro Monat 205 € kosten. Mitglied B kann dabei bis zu 30 Gramm pro Monat vom Club beziehen.✅


Wie hoch die tatsächlichen Kosten für Mitglieder einer Anbauvereinigung werden, wird letztlich per Beschluss des Vorstandes in der jeweiligen Vereins- oder Genossenschaftssatzung festgelegt. Auch hier bleibt abzuwarten, welche Kosten für beispielsweise Anbautechnik, Grundstück (Erwerb oder Pacht) und laufende Kosten wie Strom, Mitgliederverwaltung, Steuern und Ähnliches anfallen. Da sich dies mangels konkreter Regelungen nicht abschließend sagen lässt, halten sich die meisten Clubs bislang mit Aussagen über die Preise der Mitgliedschaften und Cannabisbezugsmengen zurück. Anbauvereinigungen müssen sich dabei genau überlegen, welche Ziele sie mit dem Anbau verfolgen. Hochwertiges Anbauequipment hat stolze Preise, während für einfache Formen der Kultivierung auch handelsübliche Produkte aus dem Baumarkt ihren Zweck erfüllen – oft zulasten der Qualität und Stabilität der Erträge.


Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und hoffe, ich konnte für etwas mehr Transparenz in der Finanzierungsfrage der Clubs sorgen.


Habt einen sonnigen Tag.


Liebe Grüße


Winnrich Paul Tischel

-Vorstand und Pressesprecher-


Hinweis: Der vorangegangene Text bildet lediglich mein Rechtsverständnis ab, er ist keine Rechtsberatung. Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität sind ohne Gewähr.


Quellen:

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